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Bauen mit Sichtbeton und viel Durchblick

Wo direkt bei einem Naturschutzgebiet gebaut werden darf, lohnt sich transparente Architektur doppelt: Viel Glas bedeutet viel Licht im Innenraum und viel Ausblick in die schöne Umgebung. Eine durchdachte Raumaufteilung bietet den Bewohnern bei aller Transparenz auch gut geschützte Rückzugsorte.

Ein Einfamilienhaus am Rand einer kleinen ländlichen Gemeinde im Vorarlberg? «Vor ein paar Jahren wäre das für uns undenkbar gewesen», sagt der stolze Bauherr. «Aber jetzt stimmts.» Wie das Leben so spielt. Das erste Kind ist geboren, und beruflich führte der Weg zurück in die Heimat. Doch die Lehr- und Wanderjahre haben ihre Spuren hinterlassen. Auch was die Art betrifft, wie man wohnen möchte. Offen und transparent, so, wie man es zuletzt in Amsterdam erlebt hatte.

Long distance-Planung

Weil sich die Bauherrschaft während der Planungsphase im Ausland befand, sass man selten gemeinsam zu Besprechungen am Tisch. Kommuniziert wurde mit modernen Mitteln, meistens per Computer. «Das hat prima funktioniert», freut sich der Bauherr. «Manchmal sassen wir beide vor dem Computer, er in Amsterdam, ich hier in Vorarlberg», erinnert sich Architekt Ebenkofler, «hatten beide die Pläne auf dem Bildschirm offen und haben am Telefon die Details besprochen.» Um den Hausbau nicht nur rein virtuell zu erleben, hat der Bauherr dann später doch noch einige Fliesen im Bad eigenhändig verlegt. «Das war», gibt er zu, «allerdings mehr symbolisch.» Alles in allem haben sich die Bauherren aber doch mehr engagiert, als sie es zu Anfang gedacht hatten. Die Aufgabe, den neuen Lebensraum zu planen, hat beiden sehr viel Spass gemacht, nicht zuletzt, weil sie ihr grosses Projekt bei Daniel Ebenkofler, der für das Schweizer Hausbauunternehmen Swisshaus Projekte in Vorarlberg und Tirol betreut, in den besten Händen wussten.

Gute Nachbarschaft

Daniel Ebenkofler plante und betreute für Swisshaus auch zwei Bauprojekte auf benachbarten Parzellen. Dadurch konnte man bei der Planung aufeinander Rücksicht nehmen. Jedes Haus wird von einer anderen Seite her erschlossen, die Sitzplätze sind so angelegt, dass der private Erholungsraum auch privat bleibt. Ein mächtiger Betonriegel grenzt direkt ans Nachbarhaus, deckte den Autoabstellplatz und den Eingangsbereich und macht zwei einzelne Häuser zu einem baulichen Ensemble. Durch die Haustür hat man Einblick in ein helles, auch längsseitig zum Carport hin verglastes Entree. Der gut einsehbare Eingangsbereich ist eine Reminiszenz an Amsterdam. «Da haben wir uns daran gewöhnt, dass man Passanten vorbeigehen sieht.» Viele sind es sowieso nicht, das ans Ried grenzende Quartiersträsschen wird kaum frequentiert. Dafür sieht man schon beim Schuhe anziehen hinaus ins Naturschutzgebiet.

Modern und warm zugleich

Zwischen dem Eingangsbereich und dem grossen Wohn- und Essraum gibt es eine Schiebetüre, sie wird aber selten geschlossen. Mit wenigen Schritten ist man im Herzen und Hauptraum des Hauses. Der erste Eindruck des Raums: Modern und offen, gleichzeitig warm und behaglich. Über dem grossen Esstisch schwebt aus luftiger Höhe ein monumentaler Kronleuchter, Räuchereichenparkett erdet den länglichen Raum. Am einen Ende dominierte eine helle, glänzende Küchenfront, die gegenüberliegende Stirnseite bietet Rückzugsmöglichkeiten, ein niedriges Sofa lädt zum Ausruhen ein. Die breite Front zum Garten präsentiert sich offen, bodentief verglast, mit Blick auf die Terrasse. An der anderen Längsseite des Raums dominiert eine nüchterne Betontreppe. Sie führt hinauf in den oberen Stock.

Private Zonen

Am oberen Ende der Treppe liegen zwei Kinderzimmer, dazwischen ein Büro. Zugunsten des grosszügigen Luftraums über dem Esstisch ist das Büro sehr klein dimensioniert, aber für einen Schreibtisch und etwas Stauraum reicht es. Eine Brücke mit solide gemauertem Geländer führt hinüber in den Elternbereich, eine separate Zone mit eigenem Charakter. Bad, Schlafzimmer und der Eckbalkon dazwischen sind zum Naturschutzgebiet hin orientiert. Im Schlafzimmer ist eine vorgelagerte Ankleide geplant. Eine Strukturtapete, an nur einer Wand entlanggezogen, vermittelt herrschaftliches Flair. Die Loggia über Eck ist ein privater Freisitz mit Blick ins Geäst einer alten Eiche, die auf der anderen Strassenseite wurzelt. Das Bad ist 15 m² gross, ein eigentlicher Wellnessbereich, und klar strukturiert. Eine halbhohe Wand mit Doppellavabo wirkt als Raumteiler. Die Wanne steht platzsparend an der Wand, geduscht wird in einem zurückversetzten gekachelten Walk-In-Bereich. Farben und Materialien sind sanft aufeinander abgestimmt. «In die Komfortzone wollten wir auch optisch Ruhe hineinbringen,» so der Bauherr.

Gestalterisches Flair

Hinter den sanften Farb- und Materialharmonien würde man spontan einen versierten Inneneinrichter vermuten. Falsch. Hier hat das Ehepaar selbst gewirkt, gemeinsam ausgewählt und entschieden. «Den Zeitaufwand dafür haben wir unterschätzt, aber wir haben es gerne gemacht und sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.» Vor allem die Frau des Hauses hatte in Sachen Innenausbau und Einrichtung klare Vorstellungen und setzte diese um. Der Ehemann, obwohl nicht immer spontan überzeugt, anerkennt inzwischen: «Ihre Entscheidungen waren richtig, von den Farben bis zum Kronleuchter.» Auf weitere Inspirationen darf man gespannt sein – nachgedacht wird bereits über einen Kaminofen im Wohnraum, die Anschlüsse sind vorbereitet.

Ohne Keller

Das ganze Haus ist auf zwei Ebenen angelegt, einen Keller gibt es nicht, wegen des problematischen Baugrunds im Ried. Der Heizungs- und Wirtschaftsraum mit der Waschmaschine liegt ebenerdig gleich neben dem Entree. Das erspart Treppensteigen, reduziert aber den Stauraum. Den Hausbewohnern macht das nichts aus. «Wir horten nicht», ist die Devise. Für den Rasenmäher und weiteres Gartengerät kann man später bei Bedarf immer noch einen Schuppen im Garten aufstellen. Doch das hat Zeit. Vorerst will man einmal alle vier Jahreszeiten im neuen Haus erleben. Und warum soll man sich mit Bäume pflanzen beeilen, wenn man vom Bett aus die Äste einer ehrwürdigen alten Eiche fast zum Greifen nah hat?

«Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.»

Das Bauherrenpaar

Quelle: Etzel Verlag AG, Das Einfamilienhaus, Ausgabe vom 26. Mai 2015
Fotos: Rado Varbanov
Text: Christine Vollmer